Reisehunger Budapest: Welche Anreise lohnt sich für einen Besuch im Onyx Mühely wirklich?
Es gibt Trips, da kommt man an einem Food-Spot vorbei, der die ganze Reise überschattet. Ein Ort, der so außergewöhnlich ist, dass sich die Anreise für ihn alleine lohnen würde. Die Frage ist nur, von wo? Wir testen besondere Food-Spots in Europa und bewerten, wie viele Kilometer Anreise wir für sie auf uns nehmen würden.


Das Onyx Mühely ist das wohl außergewöhnlichste Restaurant in Budapest. Denn hier kredenzen nicht nur Köch*innen, sondern vielmehr ein ganzes Team an Menschen, die die unterschiedlichsten Zugänge zu Kulinarik haben. Wie das schmeckt, haben wir uns beim neun-gängigen Menü angeschaut.
Vor dem Restaurant sind wir verunsichert: Haben wir uns bei der Reservierung, die wir für diesen Montagabend vor mehr als einem Monat ausgemacht haben, vertan? Denn wo wir das Onyx Mühely erwarten, finden wir nur eine beschmierte schwarze Tür, hinter der es stockdunkel aussieht. Es kann nur davon ausgegangen werden, dass das Restaurant geschlossen ist. Dann aber taucht eine Person aus dem Nichts auf und führt uns durch eine vergoldete Tür ins Gebäude links nebenan – ab da befinden wir uns in einem Film.

Wie das Onyx Mühely überrascht
Erster Akt: Wer eintritt, nimmt zuerst einen Aperitif in einem eigens dafür gestalteten Vorraum ein. Danach folgt ein Wechsel des Bühnenbildes zu einem Raum, in dem ein großer Holztisch steht. Alle Gäste nehmen Platz, in der Mitte des Tisches findet sich eine große Grafik in Form einer Uhr. Immer, wenn ein neuer Gang gereicht wird, wird am Zeiger gedreht, sodass ihr genau im Blick habt, was ihr gerade vor euch auf den Tellern habt.
Gereicht werden nicht nur Speisen, sondern obendrein meist noch eine besondere Erfahrung. Bei einem Gericht wird etwa versucht darzustellen, wie Sonnenstrahlen schmecken – hier wird auch mit dem Geschirr gearbeitet. Beim nächsten Gang, der “Inneren Stimme” sollen Kopfhörer aufgesetzt werden, durch die man die knusprigen Texturen der Komposition aus Popcorn, Rüben, Kohlrabi und Samen lebhafter erfahren soll. Für mich eine unüblich intime Erfahrung.


Was neben dem Essen spannend ist
Anders als in Fine Dining Etablissements üblich, ist es hier sogar erwünscht, vom Platz aufzustehen und das Studio zu entdecken. Gleich hinter dem Tisch werden die Gerichte auf einer großen Kochplatte finalisiert, den Profis könnt ihr also wirklich direkt auf die Finger schauen. Das ist im Onyx Mühely tatsächlich überhaupt nicht unangenehm und ihr müsst nicht viel tun, um locker in absolut facettenreiche Gespräche mit den Profis abzutauchen. Tipps zum Nachmachen für zu Hause inklusive.
Eine weitere Besonderheit der Location: Oberhalb des großen Gruppentisches befindet sich ein verglaster Bereich, der als Bibliothek dient. Gäst*innen können sich hier zwischen den Gängen zurückziehen und in den großen Bibeln der Koch-Welt blättern. Wer etwas zu feiern hat oder Zweisamkeit genießen will, kann oben auch an einem Zweiertisch speisen.

Was ich so noch nie gegessen habe
Zum Hauptgang kann man sich zwischen der harmlosen vegetarischen Variante Sellerie oder einer Taube entscheiden. Wir finden: Wie gut das sonst eher unglamourös wirkende Federvieh hier schmeckt, ist wirklich überraschend. Das Fleisch ist wirklich zart, das Aroma weder zu kräftig noch einfältig. Ein Tier, bei dem man sich eigentlich wundert, warum es nicht öfter statt rund um den Stephansplatz auf dem Teller landet.
Ein Tier, bei dem man sich eigentlich wundert, warum es nicht öfter statt rund um den Stephansplatz auf dem Teller landet.
Sonja Koller
Auch das bisher komplexeste Gericht meines Lebens verputze ich bei Onyx Mühely: Es ist das erste Dessert der beiden süßen Abschlüsse des Menüs und setzt sich unter anderem aus Melasse, Miso und Marille zusammen.
Sowohl von Textur samt knackiger Hülle mit Mousse-Füllung, als auch der Zusammensetzung der süßen, sauren, bitteren, salzigen und umami Aromen gibt es beim Beißen richtig viel zu erkunden. Es ist definitiv kein Geschmack, den ich uneingeschränkt allen empfehlen würde, Foodies aber bekommen hier richtig viel Inspiration serviert.

Das Reisehunger-Fazit:
- Zeit bis zum ersten Getränk: 20 Sekunden
- Wie weit würden wir für das Onyx Mühely fahren: Danny & Sonja Schnitt: 315 km
- Preis: 115 € für neun Gänge
Das Onyx Mühely ist ein Ort für Menschen, die sich wirklich tiefgehend mit Essen beschäftigen wollen. Einfach lecker satt werden, geht woanders besser – aber dafür sind wir auch nicht hier. Der Abend gleicht einem Theaterstück mit wissenschaftlicher Begleitung, bei dem ihr jede Menge Neues mitnehmen könnt.